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INSTITUT MATHILDENHÖHE DARMSTADT
Nedko Solakov: Emotions

   

Das Institut Mathildenhöhe Darmstadt zeigt ab Sommer 2009 in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Bonn und dem Kunstmuseum St. Gallen die erste große Retrospektive des bulgarischen Gegenwartskünstlers Nedko Solakov. Solakovs weit gespanntes, ausuferndes und formal kaum zu bändigendes Werk ist inhaltlich ein einziger großer Angriff auf das Verlangen nach Perfektion, Endgültigkeit und Eindeutigkeit.

Spätestens seit seinen Beteiligungen an der Biennale von Venedig 2007 und der Documenta 12 gehört Solakov zu den zentralen Positionen der zeitgenössischen Kunst. Auf der Mathildenhöhe Darmstadt wird Nedko Solakov neben dem gesamten Ausstellungsgebäude auch das Wasserreservoir und das Museum Künstlerkolonie mit eigens für die Mathildenhöhe entwickelten Arbeiten bespielen.


Nedko Solakov
Help yourself (Russian Roulette), 1998
Courtesy of the artist
Photo: Angel Tzvetanov


Ausgehend von einem Studium der Wandmalerei an der Kunstakademie in Sofia hat der 1957 geborene Bulgare in den letzten 25 Jahren ein ebenso humorvolles wie verspieltes, ebenso bissiges wie melancholisches Oeuvre entwickelt, das die Gültigkeit jedweden Repräsentationssystems grundsätzlich in Frage stellt.
 



Nedko Solakov
Top Secret, 1989-1990
Courtesy der Künstler und
Arndt & Partner Berlin/Zürich
Photo: Werner Maschmann

Solakovs Anspruch zielt, quer durch die vielfältigen Ausformungen seines Werks, auf eine Enzyklopädie des Absurden und Abseitigen, auf eine Geschichte der Abweichungen, Differenzen, Peinlichkeiten und gescheiterten Utopien.

Dabei erweist sich der Zusammenbruch des kommunistischen Systems Ende der 80er Jahre als prägende Erfahrung und gleichzeitig als Auftakt für die Suche nach einer neuen, eigenen Sprache, mit der die Komplexität und Fragilität der Wirklichkeit adäquat eingefangen werden könnte.

Ironische Auseinandersetzung mit dem Geheimdienst
„Top Secret“ (1989/90), die Veröffentlichung von Aufzeichnungen, welche Solakovs Spitzeltätigkeit für den bulgarischen Geheimdienst belegen sollten (und naturgemäß bis heute nicht bewiesen wurden, weil der bulgarische Geheimdienst diese künstlerische Selbstanzeige weder bestätigen noch dementieren ließ), macht das gleichzeitig provokative und jegliche Sicherheit unterlaufende Verfahren des Künstlers auf schlagende Weise deutlich.
 


Seine Zeichnungen, Texte, Videos, Fotografien, Performances, Installationen, Skulpturen und Wandarbeiten kratzen am Lack scheinbarer kollektiver Wahrheiten, hinterfragen die Bedingungen des Kunstsystems und Kunstmarktes („A (not so) White Cube“, 2001), reflektieren anhand öffentlich gemachter eigener Ängste das Scheitern als Metapher menschlicher Existenz („Fear“, 2002/3), und entdecken in den politischen Weltläufen die Paradoxie als herrschende Struktur („Discussion (Property)“, 2007).
 

Ein unterhaltsames und humorvolles Werk
Solakovs Fähigkeit, all diese unterschiedlichen Themenfelder in Form von Geschichten zu erzählen, die eine präzise Balance zwischen poetisch-rhapsodischer Lust an der Narration und kontinuierlichen ironischen Brüchen halten, macht dieses Werk nicht nur völlig unverwechselbar, sondern auch in hohem Maße unterhaltsam und humorvoll.


Nedko Solakov
Mirror # 3, 2001-2003
Courtesy Arndt & Partner Berlin / Zürich
Photo: Bernd Borchardt, Berlin


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