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FRANZ LISZT
Ein Europäer in Thüringen

   

von Friederike Reth

Er reiste in seinem Leben so viel, dass in seinem österreichischen Reisepass von 1840 lediglich der Vermerk: „Celebritate sua sat notus est“, d. h. sein reger Verkehr ist hinreichend bekannt, steht. Zu diesem Zeitpunkt hatte Franz Liszt zahlreiche Reisen nach England, Frankreich, Italien und der Slowakei hinter sich. Unzählige weitere, u.a. nach Russland, Spanien, Portugal und Osteuropa, sollten noch folgen. Lediglich in Thüringen ließ sich der Pianist, Komponist, Dirigent und Lehrer länger nieder.

Liszt mit 46 Jahren
Liszt mit 46 Jahren
© Wikipedia


Ein Europäer in Weimar wurde er häufig genannt. So lautet auch das Thema des Liszt Jahres 2011. 200 Jahre wäre er im Oktober 2011 geworden, 200 Konzerte wird es in Weimar und ganz Thüringen ihm zu Ehren geben.

Franz Liszt wurde im Oktober 1811 im ungarischen Teil Österreichs geboren. Die Amtssprache war deutsch, seine Muttersprache auch. Er sei ein „weltberühmter Klaviervirtuose, der von deutschen Eltern herstammend zufällig in Ungarn das Licht der Welt erblickte“, sagte man über ihn. In seiner Jugend begann der deutsche Ungar französisch zu lernen, seine Lieblingssprache. Ungarisch lernte er erst spät. Dafür brachte er sich umso früher das Notenlesen bei.


Liszt Haus in Weimar um 1900
Liszt Haus in Weimar um 1900
© Wikipedia

 

Franz Liszt Piano
Franz Liszt Piano
© Wikipedia
/ Tamcgath

Jugend und erste Weimarer Jahre
Der Vater unterstütze und förderte seinen Sohn. Der erste öffentliche Auftritt erfolgte 1820, mit gerade einmal neun Jahren. Vergleiche mit dem Wunderkind Mozart blieben nicht aus. Nach dem Tod des Vaters 1827 gab Liszt die Musik jedoch vorübergehend auf und widmete sich der zuvor vernachlässigten Allgemeinbildung. Zwei Jahre dauerte dieser Zustand, bis er wieder neuen Mut fasste und weiter komponierte und spielte.

In den kommenden Jahren reiste er viel durch ganz Europa, soviel, dass in seinem Reisepass vermerkt war, es sei überflüssig, ja sogar unmöglich, alle Stationen aufzulisten. Selbst die kaiserlich königliche Bürokratie resignierte.

1841 besuchte er Weimar das erste mal. 1842 wurde er in der Stadt Goethes und Schillers zum Kapellmeister ernannt, ließ sich aber erst ab 1848 hier dauerhaft nieder. Nach zehn Jahren des Reisen fand der in ganz Europa gefeierte Virtuose hier die Ruhe und die Konzentration, um Konzerte für das Orchester zu komponieren.

Die Weimarer Jahre werden als die künstlerisch produktivsten für Liszt angesehen. Er lehrte und förderte den Nachwuchs. Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Karl Klindworth, Franz Bendel und Hans von Bülow. Liszt verwandelte Weimar zu einem Musikzentrum von europäischem Rang. Dafür ernannte ihn die Stadt 1860 zum Ehrenbürger. Das Ansehen beruhte auf Gegenseitigkeit. Liszt sagte selbst: „Weimar, die Heimat des Ideals, in der ich eines Tages gern das Bürgerrecht erwerben würde“. Dennoch verließ er Thüringen 1861, um nach Rom zu gehen. Ab 1869 bis zu seinem Tod 1886 verbrachte der Komponist aber jeweils die Sommermonate wieder in Weimar.

Gefeiert wird das Leben und Werk Liszts nicht nur in Weimar, sondern in verschiedenen mit ihm verbundenen Städten in Thüringen: Weimar, Eisenach, Sondershausen, Meiningen, Erfurt und Jena erinnern auf ganz verschiedene Weise an den Komponisten.


Das Themenjahr "Franz Liszt - Ein Europäer in Thüringen"
Die Eröffnung des kulturellen Themenjahres „Franz Liszt – Ein Europäer in Thüringen“ findet vom 16.02. – 20.02.2011 in Weimar statt. Lebenslinien lautet der Titel des Auftaktkonzertes, bei dem Werke von Beethoven, Strauss und Liszt gespielt werden. Solist wird Kit Armstrong sein, der legendäre Beethoven-, Schubert-, Schumann- und Liszt- Interpret Alfred Brendel wird eine Ansprache halten.


Beim Klavierfestival Kosmos Klavier dreht sich alles um die schwarzweißen Tasten, die Liszt als „mein Ich, meine Sprache, mein Leben“ bezeichnete. Das Klavier sei „der Bewahrer alles dessen, was mein Innerstes in den glühendsten Tagen meiner Jugend bewegt hat“, so Liszt. Hochschullehrer, Studenten, Weltklassespieler werden vom 18.06 – 26.06. an verschiedenen Orten in Weimar Stücke des Künstlers interpretieren.

Das Festival „Überlisztet?“ findet vom 18.06. – 09.07.2011 in ganz Thüringen statt, mit Klavierkonzerten interpretiert von Weltstars wie Arcadi Volodos, Valery Afanassiev, Dezsö Ranki, einem Lesemarathon mit schriftstellerischen Werken Franz Liszts, einer Aufführung der Oper „Don Sanche oder Das Schloss der Liebe“, die Franz Liszt als dreizehnjähriger schrieb, verschiedenen Vernissagen sowie als Abschluss und Höhepunkt die Aufführung „Die Legende von der heiligen Elisabeth“ im Erfurter Dom.

Die Ausstellung „Franz Liszt – Ein Europäer in Weimar“ wird vom 24.06. – 30.10. in Weimar zu sehen sein. Das Kunstfest pèlegrinages in Weimar wiederum greift vom 19.08. – 11.09. Lisztsche Ideen und Forderungen nach einer neuen Tonkunst auf und zeigt sie in Uraufführungen von sieben Werken von sieben Komponisten aus sieben europäischen Lisztländern.

Den Abschluss des Lisztjahres bildet vom 17.10 – 31.10. eine Konzertreihe unter dem Motto Lisztomania 2010.

 

 


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